Mittwoch, 29. Juli 2009

Bildersturm " Anno 2009"

An dieser Stelle möchte ich einmal etwas in ureigener und schmerzvoller Überdenkungsweise von mir geben. Es hat etwas mit unserer Reise nach Deutschland zu tun und gleichzeitig bildet es eine Verknotung von Vergangenheit und Gegenwart. Vor genau 20 Jahren lies ich meine allvertraute Gegenwart hinter mir, um mir eine Zukunft in den Altbundesländern irgend wie auf bauen zu wollen. Ich zog mit dem mir verbliebenem Rest an materiellen Gütern nach Baden-Württemberg. Für manches war es ein Abschied für immer, für andere „Sachen“ allerdings auch nur auf Zeit mit der Entsprechenden Option das "besagte", ja Wunden heilt. Es kam aber alles anders und z.T. auch schlimmer. Jedenfalls trug ich fast alles nur noch in Form von Erinnerungen in und mit mir rum. Ein gerahmtes Foto meines inzwischen 24 jährigen Sohnes, hatte dagegen wie durch ein Wunder alle Bilderstürme und Bücherverbrennungen heil überstanden. Von mir selber hatte ich leider keinen einzigen Fotobeweis meiner kindlichen Existenz mehr. Sicherlich existierten noch hier und da Bildaufnahmen in „geheimen“ Archiven. Umso erstaunter für mich war es jedenfalls immer wieder, wenn ich einige „Personen“ und Angehörige darauf ansprach und immer die gleiche Antwort und ein Schulterzucken bekam. Es schien, als wenn ich vor 40 Jahren und so, nie existiert hätte. Jedenfalls gab es keine Beweise dafür. Irgend eine Eingebung veranlasste mich nun auf der Rückfahrt noch einmal bei meinem Bruder, welchen ich nun 10 Jahre nicht mehr gesehen hatte einen Zwischenstopp ein zu legen. Das Begrüssungsprozedere schenke ich mir, zumal es eigentlich wirklich nichts neues zu berichten gab. Jedenfalls befindet sich bei ihm immer noch die selbe handgearbeitete Holzpfeife an der selben Wand und Stelle. Also es gab wirklich nichts „besonderes“. Auf mein Anliegen kommend, ob er vielleicht doch noch ein paar Bilder von mir aus Kindheitstagen hätte, bemerkte er nur:“…och ich habe noch ein paar Koffer im Keller. Aber ich habe jetzt keine Lust da rum zu suchen. Aber unsere Schwester hat mir zum Geburtstag einen elektronischen Bilderrahmen geschenkt. Schau mal….“ Der gute Mann, welcher inzwischen auch schon 60 Jahre alt geworden ist, übergab mir jenes Wunderteil der modernen Technik. Was soll ich sagen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Mir standen echt die Tränen in den Augen, als ich einige Aufnahmen aus längst vergangener Zeit hier wieder fand. Es war zwar nur ein wirklich kleiner Querschnitt durch viele Jahre auch meiner Kindheitstage. Aber es waren Bilder dabei, die ich schon als ewig verloren aufgegeben hatte. Es sind Fotos dabei gewesen, welche niemals im Besitz unserer Schwester hätten sein können. Zumal es davon nicht einmal Negative gab, sondern nur „Passbilder“ als solche. Ich erspare mir also weiter darüber nach zu denken, wie die „gute“ Frau zu diesen Aufnahmen kam. Viel lieber werde ich in den entsprechenden Apfel beissen, um vielleicht sogar noch an Bildinformationen von meiner Schuleinführung oder gar Jugendweihe zu gelangen. Auf alle Fälle ist der Rest sehr schnell erzählt und zusammen gefasst. Rolfi fragte mit „gelangweiltem“ Unterton in der gierigen Stimme, ob ich die Bilder mir runter laden könne. Ein kurzes „Ja“ löste eine hektische Betriebsamkeit und gewisse Nervosität in mir aus. So schnell wie in diesem Augenblick, hatte ich noch nie einen Rechner zum Hochfahren gezwungen. Es musste nur schnell und absolut sicher alles über die Rechnerplatte des Laptops laufen. Ich wusste ja nicht, ob es sich mein Bruder doch wieder anders überlegen würde. Und so kam ich endlich wieder in den Besitz von eigenen Fotos aus einer Zeit, wo Brot noch 0,63 DDR Mark kostete. Auf der mehrstündlichen Rückfahrt zurück in meine neue Heimat, gingen mir dabei viele Gedanken in Bezug auf die eigene Familie durch den Kopf. Und vielleicht war gerade jener Besuch der Anfang, um diesen entstanden Graben des „Nichtverstehens“ , diese Wiedersprüche und Meinungsverschiedenheiten endlich einmal zu bereinigen und zu begraben. Wer weiss? Vielleicht heilt ja die Zeit doch gewisse Wunden? r.g.belle Erstaunlich sich mit 5 Jahren hinter einer Giesskanne versteckt wieder zu erkennen.

Kommentare:

  1. Lieber rolfi,
    dein Herzklopfen in jenem Moment verbunden mit der sich sammelnden Flüssigkeit im Augenbereich war mir nicht entgangen, zumal ich auch wusste, wie sehr du diesen Bildern entgegengelechzt hattest. Nichts sonst hätte ich dazu bringen können, über deinen Schatten zu springen und mir ausgerechnet jenen Bruder als ersten vorzustellen, der mir aus deinen Erzählungen am weitesten weg schien. Aber ich muss sagen, er staunte nicht schlecht, freute sich doch sichtilich, war ganz nett und ich bin auch ziemlich sicher, dass wir dort vielleicht ein andermal wieder aufkreuzen könnten... In diesem Sinne: Bleib dran an deiner Aufarbeitung. Die ganze Gefühlssuppe hat doch auch ihre Gründe und ist durchaus gegensitig. Nicht nur deine Familie, eine ganze Nation hat an den damaligen Ereignissen zu kauen, soviel habe ich inzwischen begriffen von der mir bisher absolut fremden Welt. Schritt für Schritt wirst du zu dir zurück finden und dies mit all dem Neuen verbinden, das du auf deinem Weg inzwischen an Erinnerungen mit dazugenommen hast. Dann brauchst du dich auch nicht mehr hinter deiner Giesskanne zu verstecken ;-)

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  2. Glaube nicht, daß die Zeit alle Wunden heilt, aber der Verdrängungsmechanismus des menschlichen Gehirns funktioniert sehr gut und macht uns glauben, daß die Zeit alle Wunden heilt! Manche Wunden, die längst überwunden geglaubt, reißen wieder auf, wenn das entsprechende Gegenüber gestorben ist und sich keine Möglichkeit ergab sich nochmals in irgendeiner Art und Weise darüber auszutauschen!
    Ist nur meine persönliche Meinung aus eigenen Erfahrungen, kann auch sein, daß es bei anderen anders läuft! LG monisha

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  3. @Dodo. Tja. Wenn man erst einmal über seinen eigenen Schatten gesprungen ist, dürfte es am Ende vielleicht doch nicht so schwer sein auch die anderen inneren Hinternisse und "Grenzen" zu überwinden. Aber es braucht dennoch alles seine Zeit. Auch zum Überlegen. Danke dir, dass du mit dabei warst und mich innerlich unterstütztest. Alleine hätte ich das wahrscheinlich nie "geschaft". ;-)

    LG rolf


    @monisha. Vielleicht heilt sie wirklich nicht alle Wunden. Aber sie gibt uns zumindest Zeit und Gelegenheit zum Nachdenken. Und wer weis wie die eigene "neue" Position nach solch einem inneren "Reifeprozess" aussieht? ;-) Ich möchte auf keinen Fall irgend etwas unausgesprochenes zwischen meinen Geschwistern belassen. Egal wie das Verhältnis in den letzten Jahren auch war. Aber ich sehe nun vielleicht neue Ansatzpunkte und Möglichkeiten, wenigstens mit einigen Sachen vielleicht Frieden zu schliessen. Ich habe gerade an meinem zweitältesten Bruder gesehen, wie zerbrechlich und vergänglich der Mensch am Ende wirklich sein kann. Ich muss abwägen was schwerer wiegt. Die "unüberwindbare" Kluft zwischen ihnen, oder am Ende der Schmerz nicht wenigstens noch einmal ein "freundliches" Wort mit ihnen ausgetauscht zun haben. Ich muss ihnen ja nicht gleich um den Hals fallen. ;-)

    LG rolf


    Ich danke euch zwein fürs Vorbeischaquen und wünsche euch noch nen entsprechenden Abend.


    LG rolf

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  4. Hi Rolf, so arg war es bei mir zwar nicht, aber ich glaube, dass wir fast alle etwas aufzuarbeiten haben. Ich war auch irgendwann in meiner Kindheit gelandet und schmerzlich erfahren, dass nicht meine Exe an allem Schuld ist, sondern die Erziehung, Wobei meine Eltern bestimmt ihr Bestes gegeben hatten. Nach 40 Lebensjahren fing ich die Aufarbeitung an und sie wird wohl nie aufhören. Das ist aber auch gut so!!!
    Ich wünsche dir viel Kraft für deine "Geschichte"!!!

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  5. @Jürgen. ich danke dir erst mal. Es wird immer so sein, dass der eine oder die andere immer an einer Ecke des Erinnerungstuches etwas zu knappern haben werden. Es kommt aber auch darauf an, wie wir damit selber umgehen. Du hast es schon richtig und schön erkannt. Die Schuld nicht immer nur bei anderen oder anderem suchen. ;-)
    In diesem Sinne noch ein "paar" angenehme Urlaubstage. Wir haben ja noch ne Woche länger. ;-)


    LG rolf

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  6. Also Rolfi, ich muss sagen, auch ich bekomme gemischte Gefühle in mir zu spüren, wenn ich mir Bilder von früher anschaue. Ich denke, egal wie alt man ist, egal wie lange es her ist, es ist einfach IMMER etwas ganz besonderes und man schwellgt in Erinnerungen und Gedanken fest. Schön, dass du deine Reise in die Vergangenheit so genossen hast.

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  7. Hallo Rolf!
    Ja, jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen - keine Frage. Habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass man häufig eine lange Auszeit braucht, um auf Familienangehörige zuzugehen, die in der Vergangenheit/Kindheit emotionale Fallstricke waren.
    Bei manchen Personen will man es vielleicht gar nicht mehr...

    Freue mich, dass Deine Sendepause beendet ist! Liebe Grüße von der chaotischen Anna

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  8. @Laila. Jedenfalls waren und sind die Gefühle immer noch ziemlich gemischt. Vorallem nach dem ich meinen Bruder wiedersah. Ich weis ja das die Zeit an niemanden spurlos vorbei geht. Auch nicht an mir. Nur ich sehe mich jeden Tag im Spiegel. Da fällt es nicht so auf. ;-)

    LG rolf


    @Anna. Es hat nicht nur lange gebraucht, sondern braucht sicherlich auch noch etwas mehr Zeit. So schnell wegen ein paar Bilder geht es nun auch wieder nicht. Aber der Anfang ist mal gemacht. Zudem habe ich ihn jetzt in den letzten 30 Jahren, vielleicht 3 oder 4 Mal gesehen. Das sagt eigentlich alles. Und die anderen zwei aus dem "Nest"....na mal schauen. Jedenfalls werde ich erst einmal nicht wieder gleich die 1000 Kilometer nur alleine hin, so schnell auf mich wieder nehmen. Es sind da noch Sachen, die ich so erst einmal "verarbeiten" muss.

    LG rolf


    Ich danke euch zwein fürs Reinschauen und "Vorbeilesen". ;-)
    Schöne Restwoche noch.

    LG rolf

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  9. Lieber Rolf, das hört sich ganz spannend und nach neuen Wegen an. Den eigenen Schatten und den eigenen Balken im Auge zu sehen zeugt von einem weitem Herzen. Schön das du/ihr dort etwas versucht und noch weiter dranbleibt. Die Geschichte war sehr berührend und deine Freude über die alten Fotos versteh ich wirklich zu gut.Vielleicht kannst du und dein Bruder nun an einem neuen Punkt beginnen.Verzeihen ist der Anfang.Du hast den ersten Schritt gewagt.Wünsche dir das es sich weiter entwickelt.Wir werden alle mal schuldig,auch an denen die uns am Nächsten Stehen.Enttäuschen - werden enttäuscht-haben falsche Erwartungshaltungen.Das alles gilt es zu hinterfragen.Aus meinem Archiv -für dich-
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    heißt nicht, aufzuhören, sich um den anderen zu kümmern,
    sondern einzusehen, dass man ihm nicht alles abnehmen kann....
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    heißt nicht, sich gegenüber dem anderen zu verschließen,
    sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verändern kann...
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    Heißt nicht den anderen zu decken, sondern ihn der Realität
    Ins Gesicht sehen zu lassen und ihm zu helfen, aus den
    Konsequenzen seines Handelns zu lernen......
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    Heißt, nicht für den anderen zu sorgen, aber für ihn da zu sein.....
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    Bedeutet, nicht einen anderen für seine Ziele einzuspannen zu wollen,
    sondern selbst verantwortlich zu handeln....
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    Bindet nicht an die eigene Person, stützt aber den anderen.....
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    Bedeutet nicht den anderen zu richten, sondern ihm menschliche Schwächen zuzugestehen.....
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    Heißt nicht, sich selbst zum Angelpunkt zu machen, um den sich alles dreht, sondern den anderen eigene Vorstellungen verwirklichen zu lassen.....
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    Ist keine Verweigerung, sondern Annahme....
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    Ist kein Zanken, kein Nörgeln, Streiten oder Kritisieren des anderen. Es bedeutet
    Eigene Fehler zu erkennen, zu korrigieren, sich selbst zu ändern....
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    Bedeutet, nicht in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern in der Gegenwart zu wachsen und in die Zukunft zu leben....
    Loslassen
    Bedeutet nicht, der eigenen Ohnmacht auszuweichen sondern sie sich einzugestehen......
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    Heißt weniger Angst und mehr durch Liebe motiviert zu sein.....

    liebe Grüße Manu

    P.S.Leider musst ich mein wünschen nach dem blogtreffen auch loslassen- aber das nächste Mal schwöre ich Besserung.;-((

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  10. Na Rolf, das ist doch kein Wunder, dass die dich nicht wiedersehn wollten - guck dir doch nur mal deine Frisur auf dem Bild an; wer will den mit so einem was zu tun haben?^^

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  11. @Demian: Dieser Kommentar ist wohl etwas daneben!!! Das ist ein sehr schwieriges Thema und man sollte darüber keine Scherze machen!!! Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Selbst wenn es witzig oder ironisch gedacht war, gehört es hier nicht hin....

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  12. Beim Lesen habe ich mitgelitten, mich mitgefreut, eine Träne schlich sich in mein Auge, Erleichterung, Aufregung, Unsicherheit... Du schreibst so plastisch und mitreissend - umwerfend gut! Die Zeit heilt viele Wunden, aber die Narben bleiben. Nach der langen Zeit ist die Sichtweise anders als damals und ist die beste Voraussetzung für versöhnliche Gespräche. Aber Vorsicht, denn die andere Seite hat auch Narben und ist vielleicht gar nicht bereit. Womöglich ist es besser, wenn Du die Vergangenheit und Familienprobleme ruhen lässt. Alles ändert sich, aber selten die Grundcharakterzüge von Menschen.

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  13. Ach, noch was. Das Kinderbild ist ja total süß. Du siehst Dir auch richtig ähnlich, heute meine ich. Auf meinen Kinderfotos erkennt man gar nichts von mir heute, höchstens an den Augen.

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  14. @ Manu. Komme erst einaml selber zu Ruhe. Vorallem innerlich. Mit "Schüren" und "Geschwürren" wäre ich sehr vorsichtig. Die einen kann man selten halten und die anderen verfolgen einen das ganze Leben lang. ;-)

    LG rolf


    @Demian. Die Haare fand ich noch nicht mal soooo schlecht. Viel schlimmer war die JAcke. Ich glaube ein ganz komisches grün und schon von eines meiner Geschwister getragen. Bähhhhhhhhhh.... :-(

    rolf



    @ Jürgen...... :-)

    rolf


    @ xamantao. Es geht ja auch nicht um die Grundcharaktereigenschaften. Es geht einfach nur darum, auch vielleicht "vergeben" zu können. Ich möchte jedenfalls nicht die restlichen Jahre mit der LAst noch weiter rum laufen. Dasbringt doch auch nix. Wenn ich aber sehe oder merken muss, dass es wirklich keinen Wert hat, werde ich natürlich zwar schon traurig sein, aber nichts daran ändern können. :-(

    LG rolf

    PS: Übrigens sehe ich heute bis auf ein "paar" Kleinigkeiten immer noch "niedlich" aus. ;-) :-) :-) :-)

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  15. Mein lieber Jürgen/Balrog oder wie auch sonst du dich schimpfst.Ich kommentiere wo und wie ich will, halt dich da bitte raus. Erstens weiss Rolf, wie ich das meine und zweitens kann er, wenn er will, meinen Kommi nicht zulassen.
    Kümmer dich um deine Angelegenheiten.
    Vielen Dank.
    PS: Ich schreibe ja auch nicht, wo dein Gesülze überall nicht hingehört.

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