Samstag, 30. Mai 2009

Schwyz/Dütsch - Deutsch/ Schweiz Teil 1

Hallo miteinander und da draussen. Eigentlich ist es ja unhöflich und schon sehr frech, hier einfach wieder aufzukreuzen, ohne wenigstens mal eine Runde bei den vielen Lesern durchgeführt zu haben. Aber als ich bei dem Probelesen war, stolperte ich über einen Artikel bei Rémo auch besser als Druide bekannt. „Der kleine deutsche Reiseführer.“ Bitte das mit Führer und der Reise jetzt nicht falsch verstehen. Es ist und wird auch keine europäische geschichtliche Vergangenheitsbewältigungsreise. Ich möchte nur auf den Zug von Rémo mit aufspringen und aus der Sicht eines Deutschen für etwaige anders sprechende Ausländer mit deutschem Akzent einige Sachen auch aus meiner Sicht betrachten und „zerreden“. Aus diesem Grunde werde ich heute den 1. Teil jener schier ins endlose ausufernden Verständigungs- und Kommunikationsbarriere beginnen. Aus diesem Grunde werde ich natürlich auf die unverzichtbare Hilfe von Doris, bei der ich mich jetzt schon für die entsprechende Schwerstarbeit bedanke, auch wenn sie davon noch gar nichts weiss, sowie meinem Schweizer Wörterbuch für Deutsche angewiesen sein. Zu Risiken und damit verbunden Nebenwirkungen, einfach in die Schweiz fahren, selber ausprobieren und erleben. Schwyz – Dütsch / Deutsch – Schweiz Teil 1 allgemeine Einleitung Die Schweiz ist nicht nur eine Enklave im europäischen deutschsprachigen Raum, sondern sie nimmt auch gerade deswegen eine ziemlich spannende Sonderstellung im Allgemeinen ein. Politisch würden selbstredend viele EU Politiker den Eidgenossen gerne das „selbstständig“ denkende Rückgrat und deren Philosophie von Demokratie brechen. Da dies aber nun nicht so einfach ist, werden die Helvetien auf andere Art und Weise annektiert. Die Zahl der entsprechenden Einwanderungen gerade aus dem europäischen Wirtschaftsgefüge nahm in den letzten Jahren erheblich zu. Das hatte natürlich auch seine guten Seiten. Viele Pseudoangespülte wurden nun genötigt sich intensiv mit nachhaltiger Tiefenwirkung nicht nur mit Land und Leuten besser vertraut zu machen, sondern sich auch mit den entsprechenden Gepflogenheiten bis hin zur „Sprachverständigung“ auseinanderzusetzen. Das wiederum führte zu einer gewissen Völkerverständigung und einer Klarstellung von vielen Vorurteilen auf beiden Seiten. Und das ist oft schwieriger als Latein oder eine andere entsprechende Fremdsprache zu erlernen. Nicht etwa weil die Schweiz eine Nation mit einem ausgeprägten Nationalstolz und das Land der vier Sprachen ist. Neben Deutsch in den verschiedensten Schattierungen und Deutungsvariationen wird noch Französisch, Italienisch und Rätoromanisch als Landessprache ausgeübt. Sondern, weil es diese knapp 7 Millionen Alpenländler auf eine Vielzahl von dialektischen und engstirnigen Eigenheiten gebracht haben, die Ihresgleichen in dieser Art suchen. Diese eigenwillige Art der Lebensphilosophie durchzieht wie ein roter Faden nicht nur den Alltag, sondern das ganze Land. So kann es durchaus passieren, dass man selbst als Schweizer am anderen Ende der Bergkette nicht nur eine andere kulinarische Vorstellung und Lebensführung hat und vorfindet, sondern dass die Schweizer selbst die eigenen Eidgenossen mit Spott und dem Schweiz typischen Misstrauen begegnen. Aber das sind familieninterne Angelegenheiten, welche der Urschweizer natürlich nicht gerne nach draussen trägt oder klingen lässt. Schon gar nicht den Touristen und dem Deutschen im Besonderen gegenüber. Deutsche, auch gerne als Sauschwaben bezeichnet, sind als Geldbringer im Land der Dienstleistung sehr gerne gesehen und willkommen. Solange sie sich nicht in die Interna der Eidgenossen einmischen. Man bewundert die Bewohner jenseits der nördlichen Grenze im stillen Kämmerlein schon wegen ihrer Präzision, Pünktlichkeit und zum Teil wegen deren Arbeitswilligkeit. (Wie kommst du darauf? Anm. d. Red.) Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Natürlich gibt der Schweizer dies nie zu und hasst sich auch wiederum zum Teil selber. Einmal wegen dieser Bewunderung und zum Anderen auch, weil es gerade diese Eigenschaften sind, die er oftmals an sich vermisst. (Ach ja? Siehe oben) Er ist zwar ziemlich gradlinig in seinem Handeln, bevorzugt aber auch gerne gewisse Umwege oder nimmt sie bereitwillig in Kauf. Was natürlich wieder das Vorurteil des gemütlichen und langsam schaffenden Eidgenossen bei seinen Nachbarn und allgemein zur Folge hat. Sehr viele Ausländer wiederum verbinden dieses Land nur mit Käse, Uhren und Schokolade. Sie sehen die Eidgenossen als Alphorn blasende Viehhirten, die in ihrer Freizeit Ricola lutschen und sich mit kleinen Japanern im Fernsehen darum streiten, wer das nun erfunden hat. Und Heidi ist die typische Kleidchen tragende Schweizerin, welche den ganzen Tag auf ihren Ziegenpeter wartet, um am Abend mit ihm über die endlosen Weiten der Berge das „Heldenlied“ zum Besten zu geben. Dabei sind es wiederum genau jene Missverständnisse auf beiden Seiten, welche eine vernünftige Annäherung der verschiedenen Nationalitäten fast unmöglich erscheinen lassen. Aber nur fast. Denn ich möchte nun auch meinen Beitrag zum besseren Verständnis für uns Minderheit der Ausländer in der Schweiz schaffen und gleichzeitig aber wiederum mit vielen Vorurteilen gegenüber den Eidgenossen hier aufräumen. Aus diesem Grunde werde ich also jede Woche einen entsprechenden Artikel über das Leben in jenem Land aus meiner Sicht hier veröffentlichen. Ich möchte euch zeigen, welche Missverständnisse in Sprache und Auffassungen es gibt. Natürlich wird es nicht immer todernst dabei zugehen. Das darf auch keiner der beiden Seiten gerade von mir erwarten. Aber erwarten darf man, das ich bemüht sein werde, nicht nur die deutsche, sondern auch die schweizerische Seite entsprechend nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen zu dokumentieren. Also. Lasst euch überraschen, wie ein Deutscher das Land der Helvetier sieht und erlebt. Bis zum nächsten Mal r.g.belle (Argusaugenzwinkernd begleitet von Doris ;-) )

Kommentare:

  1. hallo rolf! gute sache! bin gespannt! will dich nicht belehren, aber vielleicht auch interessant zu wissen für dich und deine leser; rätoromanisch ist auch nicht gleich rätoromanisch. es gibt diese sprache ebenfalls in vier verschiedenen art und weisen. und wird nur im kanton graubünden geplappert.also ist es nicht etwa logisch dass ein rätoromanisch sprechender den anderen versteht. seltsames völkchen, die schweizer! gruss druide

    AntwortenLöschen
  2. Da bin ich schon sehr gespannt drauf. Einmal war ich in der Schweiz irgendwo in einem Dorf in den Bergen oberhalb vom Vierwaldstättersee, der Name ist mir leider entfallen, aber die Leute hätten genausogut Suaheli mit mir sprechen können, ich hätte auch nichts verstanden. Und sehr lebhaft ist mir noch eine junge Frau in einer Pension in Niederösterreich in Erinnerung, die ihrem Begleiter kurz zunickte, auf die entsprechende Tür deutete und sagte: "Brünzli!" Was die anwesenden Niederösterreicher mit stoischer Mine zur Kenntnis nahmen, zumindest so lange, bis die beiden dann ihr Zimmer aufgesucht hatten.
    Liebe Grüße von Margot

    AntwortenLöschen
  3. @Rémo. Du belehrst mich doch nicht. Warum sollte ich deinen Hinweis deswegen falsch aufnehmen. ;-) Man sieht dadurch auch nur einmal, wie vielfältig das "Kauderwelsch" in so einen kleinem Land sein kann. Zumal die Rätoromanen nur mit ca. 40.000 Einwohnern es dennoch fertig bringen, diese Sprache noch einmal in verschiedene Dialekte verzweigen zu lassen. Dann wird als Aussenstehender automatisch die Frage aufkommen, wie es erst bei den anderen 3 Sprachen sein wird, wo doch da der Bevölkerungsanteil weit höher liegt. Die Schweiz ist schon alleine was den "Sprachmissbrauch" angeht, mehr wie nur interessant. Und ich bin wahrlich kein Sprachwissenschaftler. ;-)
    Danke für deinen Hinweis. Und las dich einfach mal überraschen, wie ich euch Schweizer und auch uns Ausländer aus "meinen" Augen und Erlebnissen sehe und schildern werde. Aus diesem Grunde werde ich alsbald in alphabetischer Reihnfolge mit dem Buchstaben A anfangen. ;-)
    Wird auch für mich interessant. Zumindest wie die Reaktion auch bei den "Ureinwohnern" dieser Bergregion sein wird. ;-)

    LG rolf



    @Margot. ich kann mir gut vorstellen wie die Raktion der "Niederösterreicher" gewesen sein wird. Diese gewisse "Hassliebe" im positiven Sinne, ist manchmal sehr oft zu erleben. Zumal ich nicht wissen möchte, was "Brünzli" bei dennen übersetzt bedeutet. Wobei ich es mir denken "könnte". Mir erging es beim ersten mal so, als ich das von Rémo schon erwähnte Wort Stange höhrte. Ich habe nun "nicht" eine so blühende Fantasie.... ;-) Aber ich musste dennoch sehr lange über entsprechende Gedankengänge von mir selber LAchen. ;-)
    Und lachen ist nicht nur gesund, sondern kann sicherlich auch zur entsprechenden Völkerverständigung mit beitragen. Wer lacht ist in der Regel nicht böse. ;-) Also möchte ich schon wenigstens ein klein wenig viele nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schmunzeln anregen. ;-)

    LG rolf



    Ich wünsche euch zwein noch einen schönen Pfingstsonntag


    rolf

    AntwortenLöschen
  4. Grossartig! Da bin ich schon sehr gespannt was du schoenes schreiben wirst, vielleicht auch weil ich es ja selber kenne zwei Nationen und die gegenseitigen Missverstaendnisse, Vorurteile und Wahrheiten zu erleben.
    Wenn du jetzt schreibst, dass die Schweizer gar nicht alle wie das Heidi und der Geissenpeter aussehen bin ich aber schon enttaeuscht!! also sollte ich nach Thun kommen moechte ich wenigstens einen Geissenpeter sehen!
    Lustig uebrigens, dass du schreibst die Schweizer halten die Deutschen fuer so puenktlich. Wenn in Italien jemand sehr puenktlich ist sagt man "lui è puntuale come un orologio svizzero" = "er ist puenktlich wie eine Schweizer Uhr" Der Italiener haelt den Schweizer also fuer noch puenktlicher als den Deutschen. :-) lieber Gruss, du Alm-Oehi ;-)

    AntwortenLöschen
  5. @Stefanie. das mit der Pünktlichkeit ist eine Sache die mir auch sehr unverständlich erscheint. Zumal die mit Sicherheit nicht mich gemeint haben können. Aber eins ist auch interessant. da gibt es einen Uhrenwerbung in der Schweiz. Marke spielt jetzt keine Rolle. Jedenfalls steht da ungefähr folgendes:"...schön wie eine Frau, nur pünktlicher..." Und da sage noch jemand, Schweizer haben keinen Sinn für Humor. ;-)
    Und wenn der Milano Express hier einrollt, gibt es zwar keinen roten Teppich, aber ich werde schon irgendwie sonen Peter auftreiben. Zur Not mache ich aus Timmy ne Ziege und verkleide mcih als entsprechenden Peterle. ;-)

    Dir wünsche ich auch unruhige Nächte in Palermo.... Ach nee. Heisse Nächte hies das Lied von EAV. Sorry. Also schönen und L Gruss


    rolf

    AntwortenLöschen
  6. *lol* oh ja das moechte ich sehen...

    AntwortenLöschen
  7. Na dann las dich einfach überraschen. Denn für selbige bin ich immer gut. ;-)

    Alm-Oehi....freche Göre! :-)


    rolf

    AntwortenLöschen
  8. Das ist wieder mal wieder eine Glanzleistung, hab es heute morgen in Ruhe gelesen und genießen können. Da nehme ich mir gern zeit um auch kein einziges Wort zu verpassen. QQ - Max Goldt - ist er dir ein Begriff;-)?---du schreibst ein Buch- Dodo hat recht - bleib vorerst zu Hause und schreib dein Buch.;-))dann gehst du auf Lesereise und wir hören dir alle zu;-))Kannst du den Dialekt schon nachahmen..lach? liebe Grüße Manuela

    AntwortenLöschen
  9. @MAnu. Guten Morgen erst einmal.
    "Seeliger" Max Goldt sagt mir nun leider nichts. Aber danke für den Tipp. Werde mich mal darum Bemühen. Zumal ich deine "Rezitation" schon gelesen habe. ;-) Klingt wirklich interessant. ,-)
    Ich bemühe mich auch sehr stark, die mir in der "Freiheit" noch zur Verfügung stehende Zeit, schreibtechnisch entsprechend zu nutzen. Alleine meine "Zeitreise" nimmt entsprechend Zeit in Anspruch. Aber das mit der Schweiz und den deutschsprachigen Wiedersprüchen reizt mich schon auch ziemlich lange. Zumal ich "fast" jeden Tag damit zu kämpfen habe. Und es kommt immer mehr hinzu. Manchmal ist es mehr wie nur lustig, aber manchmal auch sehr verwirrend und anstrengend hinterher wieder alles ins rechte Licht zu stellen. ;-)
    Und die grösste Sünde welche ein "Deutscher" hier in der Schweiz sich auf keinem Fall leisten sollte, den entsprechenden Dialekt auch nur im entferntesten versuchen zu imitieren. Dann haste verloren bis in die Steinzeit, hörbar anschlagend und zurück zum jüngsten Gericht. Also versuche ich es erst garnicht. ;-)


    LG rolf

    AntwortenLöschen
  10. Was denkst du was ich in der bayrischen Kleinstadt als "Preuß" erlebe, obwohl ich seit 1990 hier lebe?..das ist manchmal eben so wenig lustig. Aber ich lebe mit der anderen Mentalität mehr recht als schlecht - ich bin fast eine "Ausländerin" hier...lautlach..;-)) einen schönen Tag dir, habe euren schönen Austausch bei Steffi mitverfolgt ..aber ohne meinen Senf...geht heute nicht so gut..wird scho wieder. lg Manu

    AntwortenLöschen
  11. @Manu. Geht es dir nicht gut? Aber in der Regel....solte Mann dann sich ruihg verhalten, wenn es einer Frau nicht gut geht. ;-)
    Na wir lesen uns schon noch wieder demnächst. ;-)
    Mache erst mal klar Schiff mit und bei dir.

    LG rolf

    AntwortenLöschen
  12. @stefanie bezüglich kralles Kommentar...
    ...falls er einrollt! Das Unpünktlichste in der Schweiz sind - von mir selbst mal abgesehen - die Cisalpino aus Milano! Wir werden also eine Stunde Wartezeit einberechnen :-) Heidi-Zöpfchen mache ich mir deshalb aber nicht! Die gehören ins Bündnerland, auf die andere Seite der Schweiz ;-)
    Herzlich,
    Dodo

    AntwortenLöschen