Mittwoch, 20. Mai 2009

Der Traumbus

Der Traumbus Als Kind entwickelte ich zum Leitwesen meiner Mam, ungeahnte Fähigkeiten, um abends das “Zubettgehen” heraus zu zögern. Ich erfand immer wieder neue Ideen und Möglichkeiten. Brachte es dabei zu einem ungeahnten Perfektionismus, die gute alte Dame zur Weisglut. Diese Fähigkeit, bzw. diesen notorischen Drang habe ich als Erwachsener Mann nicht nur Beibehalten, sondern weiter ausgebaut und vervollkommnet. Auch heute noch finde ich für mich oftmals persönlich Ausreden und Einfälle um nicht schon einmal vor 23 Uhr ins Bett zu gehen. Es gibt tausende von Gründe, welche ich mir trotz permanenter Müdigkeit zurechtlege, nur um mir nicht selber ein zu gestehen, dass ich meinen Schlaf genau so brauche wie als Kind. Und heute höre ich noch den Spruch meiner guten alten Mutter ,die an solchen Tagen immer sagte:” Ja, ja. Abends nisch ins Bett und früh nisch raus.” Ja, ja. Wie recht die gute Seele von Frau doch hatte und wenn sie es wüsste auch heute noch hat. Wer kennt nicht diesen wohligen, flauschigen und warmen Moment eines ordentlich “eingewühlten” Kopfkissens. Dieses Gefühl, wenn man sich die Bettdecke im harten Kampf in der Nacht endlich wieder zurückerobert hat, nun endlich schön eingewickelt in selbiger vielleicht von Palmenstränden träumt. Natürlich auch von Blumenwiesen oder Weinfässern. Egal. Man träumt behaglich und gemütlich. Damit die andere Hälfte der Bettgemeinschaft auch etwas von diesem glücklichen und seeligen Traum hat, untermalt man jene Sequenzen natürlich noch etwas akustisch. Aber leider stößt dieses gut gemeinte Kommunikationsbedürfnis nicht immer auf Gegenliebe. “Du schnarchst.” Ist oft, mit einem Rippenstoß verbunden die einzige Reaktion. “Und außerdem hast Du mir wieder die ganze Decke geklaut.” Sagt unsere besser Hälfte auf der anderen Seite der Liegewiese, und zieht besagten Anteil plus zwanzig Prozent Mehrgewinn wieder zu sich zurück, dreht sich um und schläft einfach weiter. Ich liege im ersten Augenblick von dem Rippenstoß noch leicht verdattert und benommen in der beliebten Embryonalstellung. Habe noch gar nicht so genau realisiert wieso ich gerade jetzt, vielleicht von dem Fischfang meines Lebens an einem kanadischem Wildwasserfluss, zurück in die bittere Realität des nächtlichen Schlafgemaches gerissen wurde. Nur irgend wann, es dauert garantiert nicht lange, merke ich das etwas mit meinem Hinterteil nicht stimmt. Ich friere. Ja. Jene selbstbewusste Frau neben mir, hat sich gerade in besagten zwanzig Prozent Mehranteil von Decke eingewickelt. Ich schaue auf die Uhr, ehe ich die Plane, diesmal mit der Wärme meiner Frau, wieder zurück ziehe. Es ist viertel nach vier Uhr morgens. Ich könnte noch fast zwei Stunden versuchen in Kanada wieder den Riesenwels zu fangen, welcher mir vorhin abhanden gekommen ist. Also drehe ich mich gemütlich wieder auf meine Lieblingsseite zum besseren Träumen. Die rechte Hand leicht unter das Kopfkissen geschoben, die linke kratzt noch mal kurz an der unmöglichsten Stelle, um schließlich zwischen die Schenkel eingeklemmt zu werden. So positioniert in der Vorfreude auf den Superfang, warte ich auf den “Traumbus” welcher mich zurück nach Kanada bringen soll. Nach langer Zeit liege ich immer noch an der “Traumbushaltestelle”, warte vergeblich auf das Reisegefährt. Ich werde etwas unruhig fange an Schafe zu zählen, schaue nochmals auf den Wecker. Es ist mittlerweile schon viertel nach fünf. Ich habe also nur noch eine Stunde Zeit für den Superfang. Natürlich die Traumüberfahrt nach Kanada nicht mit einberechnet. Endlich glaube ich das bekannte Geräusch meines alten knatternden Traumbuses zu hören. Ich glaube die leicht vom Regen verschmutzen Busscheiben zu erkennen. Natürlich höre ich schon dieses typische rat rat tat tat der Bremsscheiben welches immer dann in meinem Traum erklingt, wenn der Bus bei mir Zwischenstopp macht. Rat rat tat tat… . In der einen Hand halte ich das Angelzeug, mit der anderen möchte ich die Bustür öffnen um endlich ein zu steigen. Da bemerke ich das dieses rat rat tat tat und Gepfeife nicht von meinem Traumbus kommt, sondern neben mir liegt und schnarcht. Es klingt wie die Vorfreude der Bronchien auf den nächsten Hustenanfall. Meine Frau revanchiert sich auf Ihre Art nun unbeabsichtigt bei mir. Mein wütender Blick geht wieder Richtung Uhr. Nur noch fünfundvierzig Minuten bis zum … plötzlich stehe ich bis zur Hüfte im kalten Wasser meines Wildwasserflusses und halte die Angel mit beiden Händen fest. Mein “Superfisch” hat wieder angebissen, versucht in dieser Nacht mir ein zweites mal zu entkommen, vom Hacken zu springen. Ich spüre wie seine Kräfte langsam nach lassen. Seine Schwimmbewegungen werden immer langsamer, ich kann die Schnur etwas Strafer ziehen. Vorfreude auf das Lagerfeuer mit Bratfisch zeichnet sich langsam auf meinem Gesicht ab. Die Anstrengung ist mir nicht mehr an zu merken. Da plötzlich hupt etwas hinter mir. Natürlich bin nicht ich gemeint, da es ja mein Traum ist, ich mich hier auf dieser Traumwelt alleine mit meinem “Traumfisch “ nur aufhalte. Die Hupe wird nun aber immer lauter und aufdringlicher. Ihr schriller Klang schraubt sich immer mehr in meine Gehörgangwindungen ein, sucht den direkten Weg zu den Gehirnnerven. Dieses Auf und ab erinnert mich an irgend etwas lästiges, welches ich schon ein paar mal gegen die Wand geworfen hatte. Natürlich auch nur im Traum. Es ist ein Stakkato von schrillen bis mega schrillen Tönen. Es ist… mein Wecker. Mit einem Schlag wird mir die Grausamkeit jener Erfindung bewusst. Mit einem Schlag befinde ich mich weit ab von meinem Fischfanggebiet wieder zurück, aufgedeckt natürlich, auf heimischer Scholle, in meinem Bett. Wie ein Blitz durchfährt es mein noch recht müdes Hirn… es ist viertel nach sechs Uhr, ich sollte, müsste aufstehen. Aber an dem Fluss war es viel schöner. Schnell drücke ich mit der linken Hand auf die Schlummertaste um noch ein paar Nanominuten an Zeit zu gewinnen. Dabei denke ich was für ein Quatsch. Ich gewinne doch keine Zeit, wenn sie mir jetzt gerade davon läuft. In diesem Augenblick geht wieder eine Sirene an. Noch lauter wie die erste Hupe und noch eindringlicher. Hinzu fragt mich meine Frau ob ich jetzt mit dem Wecker spielen möchte, oder lieber gedenke auf zu stehen. Schließlich kann sie noch fast dreißig Minuten ruhen, was sie hiermit gerne ohne ständiges Weckerklingeln tun würde. Irgendwie schaffe ich es wirklich, den Wecker zum endgültigem Schweigen zu bringen, mich ins Bad zu schleppen. Leicht verstört stehe ich nun vor dem Spiegel, schaue staunend in dieses fremde Gesicht. Frage mich was wohl aus dem Fisch geworden ist? Euch allen noch viele schöne und "Kunterbunte" Träume, sowie ein schönes und verlängertes Wochenende, so ihr i den Genuss kommen solltet. ;-) rolf

Kommentare:

  1. Das lese ich später erst, dich hat heute wohl die Muße geküst.....

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  2. das ist ja ganz nett und ich schlage 2 Decken vor, aber..........WO BLEIBT DIE BAUMARKT FORTSETZUNG???......*bin wieder friedlich*;-).....schoenen Abend noch! :-)

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  3. Oh je, mit dem ständigen Weckergeklingel kann ich meinen Lieblingsmann auch zur Verzweiflung bringen. Ach, noch 10 Minuten, dann stehe ich auf. Wenn ich aber wirklich mal ausschlafen könnte, dann funktioniert das eigenartigerweise nicht. Wünsche Dir morgen einen schönen Feiertag ohne Weckergebimmel. LG Doris

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  4. Das kenne ich doch alles...sogar fast genauso.:)) Nur auf Angeltour war ich im Traum noch nie, eher beim Bergsteigen oder Waldspaziergang.
    Ständiges Weckerklingeln kann ich übrigens auch gar nicht ausstehen. Schönen Abend und gute Träume! Iris

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  5. Hi Rolf!
    Ja, die traute Zweisamkeit hat auch Nachteile - vor allen Dingen, wenn es um Platzansprüche, gemeinsame Decken, Eisfüße, Schnarchen und nächtliche Alkoholausdünstungen geht!
    Aber, dafür hat man schließlich das geliebte "Objekt" an seiner Seite!!
    Wünsche Dir heute Nacht einen fetten Hecht an der Angel!
    LG Anna

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  6. Na dann nichts leichter als das sagte Pickeldi zu Frederick...einfach aufs Tagträumen verlegen...da schnarcht niemand, niemand stört, man kann hingehen..reisen wohin man will..aus der Bewusstheit heraus...;-)Imaginationen vom Feinsten. Ob ich das anwende...lach...alter Spruch..nicht immer aber immer öfter.;-) Letzter Tagtraum: ich an der Skipiste am Morgen, frisch gefallener Schnee, nicht eine einzige Spur, bin die Erste die diesen frischgefallenen Schnee berühren wird....einfch herrlich....der Witz nachdem Aufwachen, wußte ich -hey du kannst gar nicht Skifahren. Macht nix - ich kann es ja noch lernen.;-)) lg Manu

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  7. Lieber Rolf, ich finde es schön, dass ihr mit einer Decke auskommt. Aber kauft euch eine Größere! Die Investition lohnt sich, wirklich!
    Liebe Grüße von Margot

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  8. @Balrog. dann lese er ma. Wenn er wieder Zeit hat. ,-) Du bist hier nicht auf nem Erhollungsdampfer, sondern in einem "Leseblog" der sich immer zwischen zwei Augenblicken befindet. ;-)

    rolf


    @Steffanie. und du meinst mit zwei Decken wäre das Problem erledigt? Na du bist aber ein genügsamer Mensch muss ich mal sagen. Stimmt ja. Dir reichen ja schon ein paar Päckchen Dübel, um eine gewisse Glückseeligkeit zu erreichen. ;-) :-) :-)
    Das zweite kommt am Wochenende. Muss noch ein paar andere Sachen mir aus den Lippen ziehen. Auserdem ärgert mich gerade sone blöde Fliege hier.... macht mich halb wahnsinnig das Vieh... Habe sogar mal wegen solch einer blöden Fliege ein Gedicht schreiben müssen. ;-)

    LG rolf


    @Doris. Ich sage nur Wochenende. Von wegen Ausschlafen und so. Pünktlich zur unchristlichsten Zeit steht bei Rolfi früh alles. Naja fast. Zumindest die Augendeckel sind erst mal weit auf und die Augen wie ein PC Monitor viereckig. Ich hasse dieses:"...und morgen kann ich ja Ausschlafen..." Kannnn ichhhh nichhhh. Nie. Fertig. ;-)


    rolf


    @Iris. Wir reden hier aber von meinem "Traumbus" ist das klar. ;-) Muss mir mal das Fahrtenbuch anschauen. Wer weis wo der sich in meiner Abwesendheit sonst noch so rumtreibt. ;-) Nee. Bergwandern fehlt mir noch in der Sammlung. Aber Schlachthof und ne Kartonfabrik habe ich auf Lager. Das war echt schlimm. ;-)

    LG rolf


    Wünsche euch noch einen schönen Restfeiertag und nen schönes Wochenende.

    LG rolf

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  9. @Anna. Mag sein mit geliebt und so. Aber es gibt ja meistens Ärger, wenn ich abends vor dem Schlafen gehen, die Angel nebst Zubehör mit ins Bett nehem will und dadurch der Platz sehr eng wird. Von wegen ans Bett stellen und sonen Quatsch. Denkst du ich habe Zeit und Lust, wenn der Bus vor meinem Bett steht nach das Zeug zusammen zu suchen? ;-) Muss alles griffbereit sein. Dabei kann ja Frau noch froh sein das ich im Traum in die Tiefsee abtauche und vorher mir das ganze Zuegs schon anlege. Natürlich auch die Schwimmflossen. ;-)


    LG rolf


    @Das ist ja wie mit dem Bäckerberuf. Es gibt einen Vorteil, welchen man fast nur in diesem Beruf haben wir. Man braucht in der Nacht nicht zu Schlafen und am Tag nichhtnzu Arbeiten. ;-)
    Aber viel schlimmer sind für mich jene Träume, die so realistisch sind, das ich sogar nebenbei noch "normal" denken kann und weiss das ich Hilfe brauche, da ich sonst mich für immer in diesem Traum verliere und nicht mehr raus komme. Kein Witz. Aber es ist mir schon zweimal passiert. es waren böse Alpträume und ich fand keinen Ausweg. Ich wollte "Hilfe" rufen,ging aber nicht. Dann fiel mir ein, dass ich noch mit den Zähnen knirschen kann um gehört zu werden. Ich wartete geduldig und knirschte bei vollem Bewusstsein mit den Hauern. ich konnte mich nicht bewegen. Doris hollte mich wirklich "gerade" noch zurück. ;-)

    LG rolf


    Liebe Margot. Unsere Decke ist schon 2 auf 2 Meter. Sollte eigentlich reichen. Aber du weist ja wie das ist. Das Zimmer könnte noch so "klein" sein, du wirst am Ende nie genügend Platz darin haben. ;-)


    LG rolf



    Ich wünsche euch auch allen noch einen schönen Restfeiertag, sowie ein angenehmes Wochenende.

    LG rolf

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  10. Hi Rolferl, jetzt habe ich die Kurz-lang-Geschichte gelesen. ist ja weltklasse. Erstmal bin ich froh, dass ich meine Decke für mich habe. Schlecht ist freilich der Moment bevor ich einschlafe, da bräuchte ich ja keine Decke, hust, hust.
    Wieder mal superklasse ausgeschmückt!! Prädikat Wertvoll!!!

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  11. Lieber Rolf,
    nee, nee, also meine Decke brauche ich ganz allein für mich. Hier in Italien gebraucht man auch die großen Decken zu Zweit. Aber da bleibe ich doch lieber urdeutsch *lach*. Und meinem Schatz gefällt es auch, wenn er sich in seine Decke einrollen kann.

    Also das mit dem ewigen Weckergeklingel habe ich meinem Schatzi abgewöhnt. Er steht jetzt immer gleich auf, wenn der Wecker klingelt. Er will doch seine Liebste nicht unnötig stören *smile*.

    Liebe Grüße
    Martina

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  12. @Jürgen. Wie alles im Leben, so ist auch das mit der Decke und dem Abends alleine sein nur eine "relative" Sache der Betrachtung und Deutung. HAt seinen Vorteil aber wie jede Münze auch ihre Kehrseite. ;-) Man kann nicht beides und sollte sich für eine Sache nach Möglichkeit entscheiden. Aber dazu hast du ja noch Zeit nehme ich an. Oder? ;-)
    Danke fürs Reinschauen und Lesen. Wünsche dir nochmals das Doppelte für nächste Woche, was du mir auch gerade wünschen würdest. ;-)


    rolf


    @Martina. Das sind hald so die kleinen Dingen des altäglichen Lebens, an dennen man oft einfach auf Grund ihrer Banalität vorbei geht, aber die doch das Leben erst so lebenswert machen. ;-) Das mit dem Wecker und desen Endlosmeckerei haben wir auch sehr schön und elegant gelöst. Da ich keinen mehr brauch, habe ich auch keinen mehr. Ausserdem bin ich zu meiner festbestimmten Zeit dank der inneren Uhr immer gleich wach. ;-)


    rolf



    Wünsche euch nochmals und so ebenfalls nen guten Wochenstart.


    LG rolf

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