Mittwoch, 25. August 2010

Weltuntergangsstimmung bis ca. 17 Uhr vorprogramiert

Wie jeden Morgen um die selbe Zeit, also ca. 6:30 Uhr, schleicht sich die Realität meiner manchen schlaflosen Nächte neben mich ganz sachte und liebevoll an, um sich entsprechend zu verabschieden. Einer muss ja schliesslich auf Arbeit gehen, um das Hundefutter und sonstige Annehmlichkeiten zu ermöglichen. Und heute war Doris ebend wieder an der Reihe. Jedenfalls verabschiedet sie sich jeden Morgen von, bei und an mir, haucht mir sonst immer einen schönen TAg in meinen  Halbtraum, um schliesslich mit ca. 60 PS auf vier Rädern unterm Hintern verteilt, in Richtung Schulhaus sich zu entfernen. Doch heute war alles irgendwie anders.

Meine Warnehmungen, insbesondere die beiden Hirnhälften, waren noch auf Standby programmiert, die Augen vom Sandmännchen am Vorabend noch fachgerecht zugeschweisst. Und so nahm die Hirnstellvertretung die in solchen Fällen immer Dienst hat, jene Information von Doris zwar ordnungsgemäss entgegen, hatte aber noch keine Möglichkiet gefunden jene Alarmmeldung sachgemäss weiter zu leiten. War ja eh noch keiner im Oberstübchen richtig anwesend. Also um diese Zeit. Ich bitte euch.

Jedenfalls dauerte es fast ganze 30 Minuten, bis sich jene Mitteilung tröpfchenweise bis in die Zentrale durchgenässt hatte. Als wenn ein Torpedo von der falschen Seite zwei Löcher aus einem Schiffsrumpf gestanzt hätte, riss ich mit einmal die Augen weit auf, fuhr zuerst die linke und anschliessend die rechte Hirnhälfte im Alarmstart hoch. In der gleichen Zeit befanden sich "beide" Füsse schon ausserhalb des Bettes und zogen dadurch unweigerlich den Rest des Kerles auf unsanfte Art hinter sich her. Und das bei meinen morgendlichen Rückenproblemen. Jedenfalls konnte ich mich wieder in eine zivilisatorische aufrechte Haltung bemühen und meine fassungslosen Stimmbänder fanden auch ihre gewohnte Geschmeidigkeit zurück.

"Wie, wir haben kein Wasser im Haus? Was geht mich der Rohrbruch der Nachbarn an?"

Also ehrlich mal. Um diese Zeit einen Rohrbuch sein eigen nennen zu müssen, ist sicherlich für die betroffenden nicht gerade erfreulich. Aber viel schlimmer sind ja die betroffenen im Umfeld davon ebenfalls berührt. Sie können nichts dafür das die Nachbarn so einen blöden Wasserschaden haben, dürfen deswegen jetzt nicht mal..... Der Rest des unausgesprochenen Gedankens blieb mir gleich im Nieren und Magenbereich hängen. Kein WC den ganzen Tag. Was aber viel schlimmer in solchen Fällen ist, kein Kaffee. Duschen ist nicht so wichtig, weil Dreck ja bekanntlich die Haut nicht nur schützt, sondern auch etwas wärmt. Aber kein Toilettengang um 7:15 Uhr und kein anschliessender Nespressoduft aus meinem Kaffeeeimer? Das könnt ihr nicht machen.

Ich also gleich auf die Gästetoilette und die Spüllung ausprobiert. Na geht doch denke ich, vermisse aber das anschliessende nachrauschende Wassergeräusch, wenn der Behälter wieder befüllt wird. Na toll. Die einzige wahrscheinlich noch realistische Möglichkeit ungekackt verrauschen lassen denke ich so unter meinem blondem Haaransatz.

Der nächste Weg in den kulinarischen Bereich des Hauses zeigte mir auch gleich, dass ich grosses Tier mit vier Hufen und den Höhrnern auf dem Schädeldach, gestern vergessen hatte die Kaffeemaschine mit Wasser wieder zu befüllen. Das mache ich wirklich jeden Abend bevor ich hinter mir das Küchenlicht lösche und sonstige Kerzen beim letzten Hausdurchgang auspuste. O Gott. Wo soll das hinführen. Kein häusliches Morgengebet auf der Toilettenschüssel und kein anschliessendes Kaffeeschmatzen und Schlürfen. Bei den Nachbarn konnte ich ja auch nicht um eine fünf minütige Auszeit in ihrem WC Bereich nachfragen. die hatten wahrscheinlich schon alle Behältnisse selber bis zum Rand... Na jedenfalls stand ich nun vor dem Problem, wie mache ich aus einem Kreis ein Quadrat, ohne gleich und hier an Ort und Stelle in die Hosen machen zu müssen. Ja ja. Schon gut. Aber in dieser angespannten Situation dachte ich an nichts anderes, steigerte mich unangemessen mehr hinein, und der Darminhalt wollte auf Grund dieser angespannten Sachlage auf den kürzesten Weg nach draussen. Genauso wie Timmy unser Hund. Der hatte es gut. Konnte überall wo es ihm danach ist oder war, irgendeine Form seiner Anwesendheit hinterlassen. Am Ende musste ich es ja weg machen.

Also zog ich mich erst einmal vorsichtig und nicht zu überstürzt an. Sachte und langsame Bewegungen sollen ja auch den Magen und angrenzenden Endverbrauch, also den Darm, beruhigen. Je tiefer aber ich mich bücken musste, um so mehr hatte ich das Gefühl, dass mich gleich die unverblühmte Wahrheit der gestrigen Essensaufnahme gleich verlassen würde. Kein Witz. Aber je mehr man etwas nicht machen kann oder nicht daran denken soll, um so mehr hat man das Verlangen es tun zu müssen, oder denkt ständig nur an das eine.
Ihr kennt das sicherlich auch. Vom Kratzen zum Beispiel. Ihr wollt, oder könnt euch gerade an der unmöglichsten Stelle nicht kurz kratzen, aber deswegen juckt und zwickt es erst recht immer mehr und weiter. So ging es mir.

Schliesslich schaffte ich es dann doch noch, ohne grössere Pannen mit Hundi und selber ordnungsgemäss bekleidet mich in Richtung Thuner See zu begeben. Meine einzige Hoffnung bestand darin, dass die öffentliche Entleerungsanstalt am Jachthafen schon seine WCdeckel für mich geöffnet hielt. Ansonsten war ich verloren. Eine ganze Stunde am See, ohne besagtes Örtchen....? Nicht auszudenken welcher Schaden mein Imago in diesem Fall genommen hätte. Mal abgesehen von der feinen und empfindlichen Hundenase, welche das sofort registriert hätte. Timmy ist da sehr sensibel und kann schon mal dann sämtliche Befehle des gemeinsamen Nachhausegehens störichst verweigern.

Er zog auch diesmal wie verrückt, wollte ja schliesslich schnell zu seiner Seerunde, ignorierte aber meinen "Weg der kleinen Schritte". Hinzu kam auch noch, dass wir diesmal einen Umweg von über 500 Metern machen mussten, da genau an der Stelle natürlich der Rohrbruch gerade "begutachtet" wurde. Himmel Herrgott nochmal. Hatte sich heute wirklich alles gegen mich verschworen? Nicht genug das ich noch nicht in den Kaffee-Zigarettengenuss heute gekommen bin, nein jetzt musste ich auch noch wegen diesem blöden Rohrbruch einen äusserst anstrengenden und heiklen Umweg mit einem Hund als Zugtier in Kauf nehmen.

Nach über einer Stunde am See mit Timmy, wo nicht nur er seinen Spass hatte, sondern ich auch zum Glück nicht vor verschlossener Tür am Ende stand, war nur noch das Nespressoprblem zu klären. Auf meine Frage dem am schmutzigsten aussehenden wirklich arbeitenden Erdumschichter - drei weitere standen mit verschrenkten Armen oberhalb der Wassergrube - wielange dies "Unpässlichkeit" der Wasserlosigkeit noch dauern könnte, verstand ich nur soviel, dass es unter Umständen bis zum späten Abend dauern könnte. Die Leitungen waren in etwa schon so alt wie die Nachbarn, also wirklich alt und unterlagen entsprechendem Verschleiss. Also die Wasserleitung. Auf der anderen Seite sah ich das, jetzt nachdem ich meine grösste Sorge am Thuner Jachthafen gelassen hatte, aber auch positiv. Brauchte ich nicht zu Kochen, oder sonstiegn Hausputz im Augenblick zu machen. Nur das mit dem Kaffee lag mir etwas unangenehm auf den Nierensteinen.

Da fiel mir aber zum Glück ein Spruch des ollen Konfuzius wieder ein, der sinngemäss ungefähr so ging. "Wenn du keinen Kaffee trinken kannst, trinke halt Tee..." na logisch dachte ich. Aber Tee braucht das nicht auch Wasser? Ok. Ich suchte also weiter beim Konfuzius und wurde auch fündig. Er muss mal in einer ähnlichen Situation gewesen sein. Denn der andere Spruch, zumindest die Idee, brachte mich trotz unmutwillig zerstörter Frischwasserzufuhr zu meinem morgendlichem Kaffeegenuss. Das olle chinesische Bleichgesicht hatte nämlich herausgefunden, dass ein Warmwasserspeicher zwar ständig auch eine Frischwasserzufuhr benötigt, aber in seinem Kesselinnerem dennoch sich gerade so um die 100 Liter Wasser aufhalten müssten. Na und soviel Kaffee trinke ich nun auch wieder nicht.

Die Welt ist erst einmal für mich soweit wieder in Ordnung. Auf der einen Seite habe ich leckeren  Nespresso nun in mir und auf der anderen Seite zeigt es mir aber auch wie abhängig wir von gewissen Annehmlichkeiten des Lebens wirklich sind. Nicht auszudenken, wenn wir mehr wie nur einen Tag weder Wasser aus der Leitung oder gar keinen Strom mehr hätten. Abgesehen davon, dass dann die Toilettenanlage des Jachthafens auch nicht mehr zu benutzen wäre, frage ich mich ernstlich, ob wir so eine Art der Konstellation überleben würden. Ich glaube nicht.


In diesem Sinne wünsche ich euch immer einen Wasser und Stromreichen Ereignistag. Ein zumindest für den Augenblick relativ entspannter  rolf. ;-)

Kommentare:

  1. Habe noch nie eine so köstliche Beschreibung eines Wasserrohrbruchs und anderer Katastrophen gelesen.Bin noch am Tränen trocknen.
    Danke für den Bericht.

    Alles Liebe mieke

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  2. Lieber Rolf,

    ein Morgen ohne Kaffee???? Was für eine schreckliche Vorstellung. Ich glaube, ich würde den Kaffee mit Mineralwasser kochen oder so. :-) Solange Strom da ist. :-)
    Wo ich aber das andere erledigt hätte, jetzt wo bei den Erdbeerfeldern schon die Dixieklos abgeräumt wurden... keine Ahnung. Vielleicht hätte ich mich dann neben Pepper hocken müssen. *lach* Nee, keine so tolle Vorstellung.

    Aber es ist ja noch mal gut ausgegangen. ;-)

    Liebe Grüße,
    Martina

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  3. Herrrrlich! Dich geb ich nie nie wieder her. :-)
    Ich finde mich sehr wieder. Dafür herzlichen Dank!
    Auf gute Nachbarschaft! :-)

    Liäbe Lächelgrüessli vo Thun nach Thun
    Fränzi Schtärnezouber

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  4. Oh Kralle du Ärmster, ich kann dir das nachfühlen, aber dein Hirn scheint besser zu funktionieren so am frühen morgen als meins.

    Wir hatten mal einen Stromausfall und mein erster Gedanke war auch: Scheiße, kein Kaffee, mein zweiter im Halfschlaf gedöster Gedanke war, na gut, dann muss es eben heute Tee sein und mein dritter, dann erwachender Gedanke war: Shoushou du bist so blöd, dass es knallt, wenns keinen Strom für Kaffee gibt, dann gibts auch keine für tee.

    Aber ich hatte wenigstens Leitungswasser, ätsche

    Herzlichst und nochmals besonders herzlich Shoushou

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  5. Hallo mieke.

    Erst einmal Willkommen hier auch bei den nicht immer ganz ernst zu nehmenden "Augenblicken". Aber zwischen den Zeilen kann man"n" und natürlich auch Frau , oftmals viel mehr erfahren, als dem Autor selbst lieb sein dürfte. ;-)
    Danke dir jedenfalls fürs Vorbeilesen und noch ne angenehme Restwoche.

    LG rolf

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  6. Hallo MAmü.

    Schön dich wieder unter den "lebenden" zu wissen. ;-)
    Warst du etwa eine "Erdbeerschnecke", weil du so fachfraulich über die an den Feldbegrenzungen postierten Dixis dich auskanntest? ;-)
    Danke dir fürs Vorbeischauen und auch dir noch eine wunderbare "Nachurlaubszeit". ;-)

    LG rolf

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  7. Hallo Fränzi.

    Ich glaube ich sollte mich mal am frühen Morgen am Bahnhof rumtreiben, um nach leicht wütenden "Afgahnen" ausschau zu halten? ;-) Vielleicht reicht ja die Zeit noch für einen Kaffee und um ne Lachfalte aus zu bügeln? ;-)
    Aber auf der anderen Seite wäre das wahrscheinlich zu viel verlangt. Jedenfalls von mir an "mich". dann müsste ich ja mitten in der Nacht meinen Hintern aus dem Bett bewegen. ;-) Vielleicht findet sich aber noch ne andere Gelegenheit, ehe hier das Schneeschieben wieder los geht. ;-)
    Dir auch nen lustigen und erfolgreichen Resttag heute noch.

    LG rolf

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  8. Liebe Shoushou.

    Eine direkte Frage, auf die du natürlich auch auf direktem Weg in Schweigen hüllen kannst.
    Schläfst du in einem elektrischem Bett, dass du im "Halbschlaf" schon registrieren kannst, dass die Stromzufuhr bei euch unterbrochen ist? ;-)
    Auf was für "nette" Sachen so manche Leute stehen und kommen? Wahnsinn. :-) Muss ich auch mal probieren. Dir scheint es ja auch nicht geschadet zu haben. Bis auf die vielleicht am Morgen etwas verlangsamteren Gedankengänge. ;-)
    Aber auch dir danke für das Mitgefühl und das ich auch mal Lachen durfte. Zeigt es mir auch wieder, dass ich nicht der einzige "Blondschopf" hier bin. ;-)
    Einen wunderschönen Tag und entsprechende Restwoche wünsche ich dir, sowie deinem "Elektrobett". ;-)


    LG rolf


    PS: Das war nur für das "Ätsch". ;-) Hätte ja auch ne Nase zurückdrehen können - was ich übriegens auch tat ;-) - und sagen:"..aber wir hatten wenigstens Strom.." :-)

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  9. Lieber Rolfi
    herrlich beschrieben, die ganze "Scheisse" jenes Morgens :-)
    und liebe Franziska...
    ja, das habe ich auch schon gedacht, dass ihr was an Ähnlichkeit aufbringt - im Schreiben jedenfalls!
    Dodo

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  10. @Hauschefin. So nahe wie nur möglich nicht nur an der Wahrheit, sondern sich auch immer an einem Toilettenhäuschen aufhalten. Jedenfalls kann es nie schaden, wenn man einen entsprechenden nachbarschaftlichen Rohrbruch am frühen Morgen sein eigen nennen muss. ;-.)

    LG der deinige

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