Mittwoch, 18. August 2010

Handwerker

De "Isch" als Handwerker, war in der Vergangenheit eigentlich immer gut drauf. Alles lief mehr oder weniger gut. Und was nicht so gut lief, wurde entweder schnell aus den Gedächtnisanalen gestrichen und verbannt, oder lief am Ende unter "weniger". Das erst mal zur einleidenden Aufwärmphase. Den was ich jetzt von mir gebe,  sollte ich eigentlich nicht erzählen, weil es garnicht so zu mir passen will.  Also der Reihe nach, tief Luft holen und freundlich lächeln dabei.

Gestern erzählte ich doch was von einem "Glücksrad" für Kinder. Genau. Ich sehe einige der Alters schwachen Blondinen unter euch können sich sogar noch erinnern. Ich übrigens auch. Also. Nachdem ich also die Fliegenkadaver gestern nach der überzogenen Mittagspause fach und sachgerecht entsorgt hatte, stürmte ich raus auf den Hof und mir ein hässlicher Regen entgegen. Aber erstens bin ich nicht aus Zucker, dachte ich und zweitens steht mein Arbeitsgerät ja unter einem geschützen Dach. Also ran an das Glücksrad.

Das Gestell war auch soweit fertig, aber das entsprechende Rad selber noch nicht. Nur, wie verdammt noch mal ermittle ich nun die Mitte eines Kreises. Ähm ja. Ist mir jetzt echt peinlich, aber ich wusste es echt nicht mehr. Kein Quatsch mit Sosse. Ich also mir nichts anmerken lassend, mit Winkelmaas und dergleichen mir zur Verfügung stehender Arbeitserleichterungsgerätschaften wie wild los gezirkelt. Das Resultat war ernüchternd. Ich bekam keine exakte Mitte zu stande. Ich höre die Lacher im Hintergrund. Lacht nur. Ich werde schon noch den letzten Schweiß aus euch raus treiben. Versprochen. Jedenfalls hatte ich nach einer Stunde die geniale Idee, welche und jetzt kürze ich ab, mir einen bis auf 2 mm genau runden Kreis verschaffte.

Die Mitte war also gesetzt und nun musste ich nur noch die Markierungen für die 30 Dübel des Glücksrades fixieren. Also wie bei einer Riesentorte quasi die Stückchen einteilen. Kein Problem dachte ich. Schraube in die Mitte, Schnur drum gewickelt und am anderem Ende nen Blei wie bei einem Zirkel schön deutlich und lesbar kreisen lassen. Zwischen Theorie und Praxis ist aber genau so ein Unterschied, wie zwischen Mond Vorder und dessen Rückseite. Der Faden wickelte sich immer schön um das Gewinde der Schraube und so bekam ich jedes Mal eine wunderschöne Spirale. Ich war über soviel Dämlichkeit echt am Verzweifeln. Erst die Fliegen und nun das hier. Also machte ich erst mal ne kleine Pause, um meine Fondanelle und mich zu beruhigen. So was ist mir echt noch nie passiert. Also das mit der Fondanelle meine ich.

Nach der Nervenkippe ging es diesmal mit einem Nagel als Zentrierzirkelhilfe weiter. Und siehe da, es ging doch. Na also dachte ich und wollte mir schon leicht die Schulter wund klopfen. Aber es lag ja noch einiges an Arbeit vor mir.
Nachdem ich also, ach das überspringen wir einfach, weil nicht so wichtig. Jedenfalls wollte ich nun fast zum Schluss der entsprechenden Vorbereitungsarbeiten noch ein paar Löcher mit einem Zentrierbohrer anbohren, um anschließend die Achse des Rades richtig montieren zu können. Rolfi bohrte und bohrte, bis er endlich mit einem lauten Fluch und Schmerzenschrei das Werkzeug aus der Hand fallen lies. Dabei war ja noch garnicht offiziell Feierabend. Aber wir kennen ja die deutschen Handwerker. Jedenfalls sah das Loch in meiner Hand nicht so trocken und so schön rund aus, wie das im Holz. Leute. Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich..., aber ich konnte ja nicht. Also verzog ich mich wie ein kleines Kind zur Chefin des Hauses, um ihr gleich mit vorgestreckter Hand, selbige blutend unter die Nase zu halten.
"Guck ma. De isch blutet", gab ich ganz cool einem Unmachtsanfall nahe gerade noch von mir.
"Nisch weiter schlimm, aber es blutet", stammelte ich nun nervös werdend, weil es wirklich saftelte.

Also Chefin, die ja durch drei Kinder da entsprechend Übung hatte, wollte mir gleich die Hand abschneiten, um ne Vergiftung oder wie das heißt zu vermeiden. Quatsch. sie drückte mir Desinfektionsmittel der Marke Fliegenrache in die gesunde Hand und ein Pflaster anschließend auf die linke verletzte Stelle. Also in der Hand. De Isch nun wieder ganz Kerl und so, wedelte mit dem Hintern, stieg nach unten, um den Rest des Wundpflasters unter einer halben Rolle Isolierband zu verstecken. Dabei fiel mir ein Spruch meiner Mutter ein, die mal sagte:" Na so ein großer Junge weint doch nicht wegen so einem kleinem Schnitzer in der Hand."
"Ja Mami", dachte ich mir."Du hast ja Recht" und gab dem blöden Akkuschrauber nen Tritt. Dabei konnte der arme Kerl nichts dafür.

Jedenfalls nahm ich nun Schraubtzwingen bei meiner weiteren Vorgehensweise als Sicherheit und Aretierung des Werkstückes. Aber das wollte heute auch nicht so wie ich. Irgendwie war heute der "Schei..." ihr wisst schon wo vergraben. Am Ende hatte ich es aber doch noch geschafft, zumindest das Grundgestell nebst Drehscheibe zu montieren. Und ich sach euch, das olle blöde Teil funktioniert sogar. Dem sein Glück sach ich nur.

Weh tut es auch nicht mehr, außer beim Lachen, weil ich mir da immer ausversehen auf die Schenkel klopfen muss. Und das auch noch mit der linken Hand. Ich verspreche mich hier hoch und geheiligt, dass ich in den nächsten 1,5 Beiträgen nie mehr behaupten werde, ich sein ein guter Handwerker. Denn was ich heute hier vom Hocker los gelassen habe.... wenn das jemand wüsste. ;-)

Euch allen aber die bis hier her es geschafft haben, mein Dank und aufrichtige Anteilnahme. Eins habe ich jedenfalls auch wieder daraus gelernt. Männer sind auch nur Menschen, wehleidig und Sensibelchen hoch zehn. ;-)

In diesem Sinne euer rolf, welcher nun noch Feinarbeiten daran machen muss und Farbe auftragen. darf. Dann zeige ich euch das gute Stück. Morgen ist ja auch noch ein Tag und eine gesunde Hand habe ich na

rolf

Kommentare:

  1. öhemmm... ja... was soll ich sagen? oder eher: wie sage ich es, ohne dich allzu sehr zu verletzten? :D
    ich sach ma': nächstes mal geht es bestimmt wieder besser *prust*
    so. und jetzt gehe ich erstmal lachen. sorry... ^^

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  2. Ach du sch... jetzt hattest du mich aber auch erwischt.
    Wie ermittelt man den Mittelpunkt eines Kreises?
    Peinlich.
    Oberpeinlich.
    Und das mir, die in Mathe meist 5 aber in Geometrie (sowie in Optik in Physik) immer ne 1 hatte...
    Doch da bei alten Menschen das Langzeitgedächtnis immer ausgeprägter wird, fiel es mir gottseidank wieder ein.
    2x den Durchmesser zeichnen (Zirkel ziemlich gegenüberliegend auf der Peripherie einstechen, so dass sich die beiden Halbkreise schneiden - da läuft der eine Durchmesser (Verbindungslinie durch die beiden Schnittpunkte.
    Und das ganze nochmal an zwei anderen Stellen.
    Schnittpunkt der beiden Durchmesser = Mittelpunkt.

    Stolz auf mich hab ich gleich mal gegoogelt, ob das stimmt - und finde diese Lösung:

    http://geometrie.diefenbach.at/ZirkelKonstr/Seite7.htm

    Hä????
    Scheibenkleister, habe keinen Zirkel hier.
    Soooo umständlich war das doch nie gewesen, oder?

    Wie geht es denn nun?
    Und nein, extra deswegen kaufe ich mir jetzt keinen Zirkel.

    Bussi
    mo
    Die Dir beste Genesung wünscht!
    Und sich freut, dass Du Dich links erwischt hast, sonst könntest Du ja gar nicht mehr tippseln....

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  3. @MAnu. Nee klar. Von dir konnte und durfte ich nix anderes erwarten. Deine entsprechende Reaktion war genauso durchschaubar, wie meine gestrige Hilflosigkeit am Ende. Aber ich denke, dass ich vielleicht zwar auf dem Weg der Besserung in der Hinsicht bin, mir aber sicherlich noch ein paar "Graswitze" einfallen werden. :-)
    Dennoch dir und deinesgleichen einen entpsrechenden und geruhsamen Büroalltag heute. ;-)


    LG rolf

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  4. Liebe Mo. Sorry, habe mich etwas falsch ausgedrückt. Mit nem Zirkel und dergleichen kann ich noch recht gut umgehen, ohne gleich beide Hände oder gar Arme zu verlieren. Die Grundplatte war ja schon rund. Zwar nicht ganz exakt, was ja das Problem war, aber zumindest im Ansatz rund. Und genau das war das Problem. Da die exakte Mitte zu bestimmen. Zumindest so zu schwindeln, dass aus diesem Halbfertigprodukt von Ei, ein einigermassen rundes Opjekt wird. Liegt bei einer solchen Drehscheibe nicht der Achspunkt genau mittig, kommt es zu ungleichmässigen Drehbewegungen. Auf deutsch, das Ding "eiert". ;-) Das wiederum belastet mit der Zeit die Achse und könnte durch diese Unwucht vielleicht sich stark deformieren, entzwei gehen und dabei jemanden verletzen. Das soll ja ein "Spielgerät" für Kinder werden und nicht für Menschen die bei mir "nur" in der rechten Herzkammer platz haben und deswegen...naja. Es ist also für Kinder gedacht. ;-) Ich bin nicht der 1000 Prozentefreak oder so. Vorallem dauert es immer recht lange bis ich in die Gänge und so komme. Aber wenn es dann soweit ist, muss es zuimindest zu 989% stimmen. Der Rest ist natürlicher "Schwund". ;-)
    Euch da oben im kalten Norden aber noch einen wundersamen und erholsamen Tag. ;-)


    LG rolf



    PS: Wie geht es dem Alien?

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  5. Hey Rolf,

    ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder um dich trauern soll. Oh man. Ich wünsche dir einfach eine gute Genesung, dass du bald wieder beide Hände wohlbehalten nutzen kannst, wofür auch immer ;-)

    Laila

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  6. Verstehe Laila. Du warst das vorhin also die so furchtbar gelacht hatte. Was solls. Deswegen geht ja die Welt nicht gleich unter und ich werde es auch überleben, aber mich irgend wann einmal "furchtbar" revanchieren. ;-) Aber erst wenn du Kichererbse nicht mehr daran denkst. :-)

    Dir auch und so...

    LG rolf

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  7. Ja, mhm... nein, Lachen war nicht mein erster Impuls - oder doch? - ich weiss es nicht. Wohl eher ganz sachlich, wie du es schon angetönt hast, Programm x: Wo ist das Verbandszeug, was muss ich zuerst, was dann, so dass der unverbesserliche grosse Junge, der partout nicht zum Arzt gehen will und sowieso mit der Verletzung gleich wieder ins Sägemehl taucht, sich keine Blutvergiftung holt.
    Danach - nein, auch kein Lachen. Eher der nachträgliche Schreck: Was wäre gewesen, wenn... der Bohrer noch tiefer, die Sehnen, die Knochen ... uff! Schwein gehabt!!! Mann!!!
    Und das mit dem Zirkel und Lineal, mo (ja stimmt, jetzt, wo du's sagst), funktioniert auf dem Blatt wunderbar. Aber auf einer Holzplatte von knapp einem Meter Durchmesser? Mhmm.... Ich wäre auch ins Grübeln gekommen! Dafür hätte ich gewusst, dass man niemals einhändig bohrt... (Na, eins draufgeben musste ich ja doch auch noch, oder? Und jetzt im Nachhinein... grins :-D)

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  8. Ja ja Ddod. Vielleicht morgen. Ich meine zum Arzt. Gleich ein Ritt, wenn ich mittag beim "Tierarzt" bin? ;-) Aber das ist bis morgen erst recht wieder alles iO. Wirste sehen. Kann ja schon wieder die Faust schütteln. ;-) Ich meine ebenfalls im Nachhinein. ;-) Und über das Grinsen unterhalten wir uns mal in Ruhe zu vorgerückter Stunde kurz vorm Einschlafen. Ich meine wenn du schon halb weg bist und den Ernst meiner Diskusionsbereitschaft inBezug Arbeitsschutz nicht mehr so genau mitbekommst. ;-)
    Und jetrzt ist für mich "Mittwochabend Herrenzeit". ;-)


    LG rolf und viel Spass mit Timmy. :-)
    Danke dafür.

    dein rolf

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  9. na da bin ich ja mal gespannt ;-)))9

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  10. Soll ich mal pusten, lieber Rolf? ;-)
    Mach dir nix draus, jeder hat mal einen schlechten Tag. Wie heißt es so schön, ein schlechter Tag, macht noch keinen schlechten Handwerker aus dir. ;-)

    Liebe Grüße,
    Martina

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  11. Lieber Rolf, gerade habe ich unten bei deinen vielen Tortenkommentaren (sehen übrigens saugut aus, nur so am Rande bemerkt), gelesen, dass es kein Schwein interessiert, wenn du einmal Nasenbluten hast. Dem muss ich entschieden widersprechen. So ein Loch in der Hand ist ja noch viel schlimmer als Nasenbluten, und ich bedaure dich von ganzem Herzen. Obwohl ich insgehim gerade so ein bisschen vor mich hin schmunzeln muss. Ein Kollege hat sich letztens einmal beim Fischkochen mit dem Tranchiermesser (weiß der Teufel, wofür er das gebraucht hat, der Fisch war viereckig und tiefgefroren) die Handfläche durchbohrt. Ao ähnlich stelle ich mir deinen Arbeitsunfall auch vor. In diesem Sinne wünsche ich dir gute Wundheilung!
    Liebe Grüße von Margot

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  12. Nabend Martina.
    Nee nee. Brauchste nich. Ich meine "pusten". Am Ende "verkaufe" ich jenen Durchdringungsversuch des Bohres, als altes "kriegsleiden". ;-) Wenn jemand allerdings einen Einblick also in mein "innerstes" haben möchte, kann ich im Augenblick noch ein Stückchen Haut nach oben klappen, um das frische, sich gerade regenerierende "Bohrloch" zu präsentieren. ;-)
    Mann hat doch sonst nix zu schmunzeln. ;-)
    Danke für die Anteilnahme hier und dir noch eine angenehme und vorallem anbrechende Arbeitswoche. ;-)


    LG rolf

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  13. Hallo Margot.


    Klingt ja bald so, als wenn zu deinem Geburtstag "nicht" genug Kuchen und Torten dir zur Verfügung standen? ;-) :-)Das mit dem Nasenbluten, bezog sich ja allerdings auf etwas anderes, in leicht abgeänderter Variante. Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch garnicht, dass ich beabsichtigen würde, mir die linke Hand amputieren zu wollen. ;-)
    Aber Humor ist ja auch, wenn man über einen "tranchierten" Fisch und desen Messerversuch mal lachen kann. Zeigt es doch, dass es gerade und vorallem den Männern meistens in ihrer Selbstüberschätzung passiert. ;-)

    Wünsche dir noch eine wunderschöne Woche und danke fürs hier Vorbeilesen. :-)


    LG rolf

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