Dienstag, 10. November 2009

Novemberrevolution

Ich hatte ihn echt vergessen. Zumindest nicht daran gedacht. Warum auch? Eigentlich habe ich was gegen diese Novembertage. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes so eine Art „Grauzone“ zwischen Herbst und dem nahendem Winter. Also ungemütlich oftmals und machen auch ein wenig depressiv. Aber dieser Tag existiert nun mal und fast alle Welt reitet darauf rum, machen zum Teil in ihren Blogs mal auf die Humor volle, dann wieder auf die rein informative Art aufmerksam auf ihn. Genau. Vor 20 Jahren ging die „Betonsteinzeit“ in Deutschland zu Ende und es begann die „goldene Ära“ des fast wieder vereinten Deutschlandes. Und zum Zeichen das man es auch ernst damit meinte, brach man zuerst ein paar Brocken aus der Berliner Mauer, öffnete diverse Grenzübergänge zu den Einkaufszentren und schenkte jedem Ossi erst einmal 100 „harte“ Deutschmark als Begrüssungsgeld. Es versteht sich von selber, dass dieses Geld auf schnellst möglichen Weg in den Wirtschaftskreislauf der damaligen „armen“ Bundesrepublik wieder zurück fliessen musste und auch floss. Jedenfalls sorgten Aldi und Co und wie sie alle hiessen für einen entsprechenden Wahnsinnsumsatz und die Ossis wurden ihren Namen der „Bananenrepublik“ in den meisten Fällen wieder einmal gerecht. Nach fast 19 Jahren der Wiedervereinigung sollte man nun der Meinung sein, dass die Deutschen endlich das erreicht hätten was sie wollten. Ein einig Volk. Immerhin braucht keiner mehr nun einen Ausreiseantrag nach „drüben“ zu stellen und der Altbundesbürger ist auch nicht mehr an den Zwangsumtausch und die nervenden Zoll und Passkontrollen gebunden. Wie das nun mal so ist, gewöhnt man sich schnell an das angenehme im Leben, vergisst dabei aber oft auch die entsprechenden Schattenseiten. Hier allerdings wird es, was den „Ossi“ betrifft, interessant. Der kann wie ein Elefant sich da nicht nur benehmen, sondern sogar an seine Vergangenheit erinnern. Und wie er das kann und macht ,ist schon bemerkenswert. Da wird erst einmal geschimpft wie ein Rohrspatz. Auf alles und den Rest. Da war plötzlich die ganze Vergangenheit nur Müll, belastend und Scheisse. Jeder wurde verfolgt und bespitzelt. Von den zig Millionen Menschen aus der ehemaligen DDR, war die doppelte Anzahl auf einmal Regiemgegner. Zumindest Kritiker. Jeder wusste was zu berichten aus der Notleidenden Zeit von Anna Domina. Z.B., als die meisten ja zu den Maifeiertagen mit einem Getränkegutschein und entsprechender Bock oder Rostbratwurst gezwungen wurde. Ach ja. Die Sache mit den Autos hätte ich fast vergessen. Ein gebrauchter Trabi hatte einen höheren Wert, als ein Neuwagen. Man musste auf ihn ja auch 10 oder noch mehr Jahre warten. Die Wohnungen kosteten auch immerhin in der Regel mancher Orts fast weniger als 10 % vom Realeinkommen. Na gut der Staat stützte ja auch fleissig. Hat halt nicht funktioniert, aber er zeigte wenigstens mal seinen guten Willen darin. Auch entsprechende Lebensmittel waren und wurden subventioniert das sich der Staatshaushalt bog. Aber „wir“ empfanden es als gut und sogar sozialpolitisch richtig. Also Geld war ja am Ende genug da. Nur was damit machen, wenn der Marx und Engels die darauf abgebildet waren, vielleicht einen historischen, aber keinen realen, finanziellen Wert hatten. Ich glaube mich sogar noch an meine Kindheit und die damit verbundenen Aufenthalte im Kindergarten und der Schule erinnern zu können. Meine entsprechende schulische und auch lehrtechnische Ausbildung hat mir am Ende nicht viel gebracht, weil sie ja auch nicht als solches anerkannt wurde. Ich meine von meinem neuem „Heimatstaat“, der nun gemeinsamen Bundenrepublik in Deutschland. Aber immerhin konnte ich auf eine allumfassende Schulausbildung und einen entsprechende Lehrstelle nicht nur hoffen, sondern sie wurde mir auch ermöglicht. Auch wenn es nicht gerade der Traumberuf war. Wer hat ihn heute eigentlich? Ich meine seinen Traumberuf. Was mich an diesen ganzen Feierlichkeiten und Grabreden zu diesem europäischem „Grossereignis“ so stört? Jeder weiss etwas und die meisten nur die Hälfte. Jeder erinnert sich nur an die negativen Seiten und Zeiten daraus. Aber keiner findet, das es ja auch „unser“, also „Ossiland“ war. Natürlich gab es Strukturen, Momente und Instrumentarien in dieser DDR, die vielen Angst, Sorgen und Schrecken einflössten. Ich kann nicht einmal sagen wer mehr Angst vor wem da hatte. Der Staat vor seinen Mitbürgern, oder der Mitbürger vor seinem Staat. Nur hatte der lebende Mensch in der damaligen DDR weder die Macht, noch die Möglichkeit sich vor der „Diktatur“ des Proletariats zu schützen. Die regierenden Proletarier allerdings hatten die Macht und auch diese Mittel. Und jene Mittel setzten sie entsprechend kompromisslos ein. Ich denke mal das dies auch einer von vielen ihrer Fehler war. Das wiederum führte nicht nur zur innenpolitischen Spannung. Es wurde Misstrauen und Zweifel gesät. Die Saat ging ja auch entsprechend gut auf. Eine politisch und zum Teil auch wirtschaftlich nicht gerade gut im Kurs laufende damalige BRD Regierung brauchte nur noch zu warten, bis die Frucht DDR ihr von ganz alleine auf den OP Tisch fallen würde. Sie tat es ja vor 20 Jahren mit Getöse. Eins muss man den damaligen Politikern der Bundesregierung lassen. Sie verstanden nicht nur ihr Metzgerhandwerk, sondern verstanden es auch, den Sehnsüchten und Hoffnungen vieler „Ossis“ entsprechende Grundnahrung zu geben. Natürlich war nie die Rede von einem „Erfüllungsstand“. Warum auch? Wir sind ja ein Volk. Und was zusammen gehört, wächst schon irgend wie auch zusammen. Die Vergangenheitsbewältigung machte grosse Fortschritte. Mancher Orts reichte es vollkommen, aus einer HO eine Supermarktkette zu stampfen. Natürlich mit annähernden Westpreisen auf Ostniveau. Oder man stürzte einen Marx vom Sockel und benannte einen Leninplatz zum Beispiel in einen Adenauerplatz um. Die Russen machten nach 1945 es mit der Demontage von den wenigen noch funktionierenden Fabrikanlagen in der „Ostzone“ vor. Also durfte man auf entsprechende Übung und die „Sensibilität“ der ostdeutschen Ureinwohner hoffend aufbauen, als die „Umlagerung“ und der „Restausverkauf“ funktionierender übrig gebliebener Wirtschaftsstrukturen Fortschritte machte. Das Versprechen des damaligen Bundeskanzlers erfüllte sich zumindest fast „prophetisch“. Die „Ostzone“ wurde wirklich fast platt gemacht und es grünte aus den Mauerresten und Fensteröffnungen mancher ehemaliger und still gelegter Betriebe. Da es in der nun zusammen gewachsenen neuen BRD keinen Platz mehr für Volkseigentum oder sonstige „gemeinnützigen“ und sozialen Einrichtungen gab, war der Run auf die entsprechenden Immobilien auch im vollen Gang. Der positive Nebeneffekt davon lies auch nicht lange auf sich warten. Viele „erlebten“ nun das volle Programm der freien Marktwirtschaft im Schnellverfahren am eigenem „Leben“. Schliesslich hatten wir lange darauf warten müssen und auch teilweise „friedlich“ darum gekämpft. Endlich wurden wir in das Gefüge des demokratischen „Sozialstaates“ aufgenommen. Und die meisten durften dann wirklich nach den ersten Kaffeefahrten durch die weite Freiheit der Verkaufs und Konsumwelt, auch in selbigen Einrichtungen ihren sozialen Anteil in Empfang nehmen, zumindest beantragen. Es gab natürlich auch Glückspilze. Oder anders formuliert. Scheisse schwimmt immer oben. Und so gestaltete sich auch wie schon vor vielen Jahrzehnten der Austausch in vielen Amtstuben und auf höherer betriebsinternen Ebenen der Führungswechsel zum Teil auch ziemlich geräuschlos. Aus dem ehemaligen Genossen und mehrfach hoch dotierten Generaldirektor eines Volks eigenen Kombinates z.B., wurde über Nacht der Geschäftsführer einer GmbH. Da er ja nur „Mitläufer“ und „Exekutive“ einer langen Befehlskette, in einem vom Westen eh nie voll anerkannten Staat war, waren selbige Genossen theoretisch parteilos. Um aber als vollwertiges Mitglied in der entsprechenden Wirtschaftsstruktur auch an zu gehören und akzeptiert zu werden, legte man sich über Nacht mit dem ehemaligem feindlichen und kapitalistischem Parteiensystem in ein Bett und gebar in Massen neue Parteimitglieder. Jeder der den entsprechenden Sprung nicht schaffte, trug den Makel einer roten Socke auf seiner Stirn. Der Urzeitvogel der 90 iger Jahre war dank der deutschen Einheit geboren. Der Wendehals. Ich könnte „auszugsweise“ aus dem geplanten zweiten Teil der „Erinnerungen aus dem rotem Meer“ noch ein paar Stellen zitieren. Aber das würde im Augenblick noch weiter als ich es schon beabsichtigte hier führen. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, dass ich verbittert bin. Ich ganz bestimmt nicht. Jedenfalls nicht das die Mauer fiel. Aber ich möchte oder wollte auch auf die anderen „Schattenseiten“ jener Wiedervereinigung gerade im Jahr selbiger aufmerksam machen. Es war am Ende nicht alles schlecht, was der kleine Staat DDR zumindest im Ansatz für die Lebensqualität seiner Menschen auf die Beine stellen wollte. Sie verwechselten allerdings Marx Theorie, mit der Realität in der Praxis. Was mich allerdings am meisten heute noch ärgert und deswegen auch an die Rechtmässigkeit jener Tage zweifeln lässt, alle jene „Kommunisten“ , die massgeblich am Bankrott der DDR mitverantwortlich waren, haben am Ende das geschafft, was sie immer predigten. Sie bezwangen den Jahrzehnte lang von ihnen so gehassten Kapitalismus, in dem sie ihn einfach unterwanderten. Sie manipulierten, verkauften, und fälschten. In dem sie ihn „ infiltrierten“. Natürlich wurde versucht im Ansatz Recht zu sprechen. Aber leider sind viele, zu viele, nicht nur davon gekommen, sondern haben nicht nur die Gesinnung einfach über Nacht ausgetauscht und so sich mit dem neuem System arrangiert. Sie wurden und sind nun, auch nach 20 Jahren des Mauerfalles, ein fester Bestandteil der neuen Zeit geworden. Straf frei. Es sind selbstverständlich nur Fragmente die ich hier als Beispiel bringen konnte. Es geht mir jetzt im Augenblick auch nicht um die Vollständigkeit einer langen Liste. Die Mauer fiel vor 20 Jahren und ein geteiltes Deutschland ist nun wieder ein vereintes. Wir sollten aber auch in der Stunde der historischen Euphorie nie vergessen, dass es die Menschen jener Zeit waren, die jenen Prozess erst ins Rollen brachten. Es wurden viele Fehler gemacht. Auf beiden Seiten. Langsam aber sollte man daraus gelernt haben und aus diesen Fehlern endlich die nötigen Konsequenzen ziehen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass in vielen Köpfen der Bundesbürger immer noch diese Mauer bestand hat. Auf beiden Seiten der innermenschlichen deutschen Grenze. Diese zu überwinden oder gar zum Einsturz zu bringen, wird sicherlich noch einige Zeit mehr in Anspruch nehmen und viel mehr Fingerspitzengefühl benötigen. r.g.belle

Sonntag, 8. November 2009

Die Welt ohne uns

Keine Ahnung wer sich schon einmal von euch mit der Frage beschäftigte, was aus der Welt ohne uns passieren würde. Ich ehrlich bis vor kurzen jedenfalls nicht. Umso überraschter war ich, als ich gleichnamiges Buch von „Alan Weisman“ las. „Die Welt ohne uns“ erschienen bei Piper München Zürich. Die Frage die Weisman gleich am Anfang seines Buches stellt ist auf ihre Art schon eine Provokation. „Was wäre eigentlich, wenn die Menschen plötzlich verschwinden würden? Welche Spuren bleiben von uns?“ Warum sollte der Mensch denn verschwinden? Er hat doch keinen Grund dafür. Oder gibt es doch welche? Der Autor beschäftigt sich nicht mit der Frage warum, wieso und überhaupt wie könnte der Mensch verschwinden, sondern begibt sich in seinem Sachbuch gleich an die entsprechende Startlinie der Natur. Ohne uns, die bisherigen Untermieter dieses Planeten. Es würde auch zu weit führen, wahrscheinlich ein Extrabuch füllen, um die möglichen Szenarien unseres Abgangs von der Mutter Erde zu ergründen. Ich weiss nur, dass es sie gibt, geben wird, am Ende wir selber daran schuld sein werden. Aber wie gesagt, darum geht es nicht in seinem Buch, sondern um die Welt danach, wie die Natur mit unserem hinterlassenem „Unrat“ umgeht und vielleicht auch fertig wird. Sehr ausführlich und thematisch auch entsprechend überschaubar, führt Alan Weisman uns in seinem Werk von den Anfängen der Rekultivierung der Natur, bis in jene ferne Zeit, wo es vielleicht wieder einen „Neuanfang“ oder eine neue Chance für eine Spezies, ähnlich unserer jetzigen geben wird. Er führt uns mit Hilfe von Analysen renommierter Wissenschaftler aller Wissenschaftsbereiche, durch einzelne Gebiete der erdgeschichtlichen Entwicklung der nächsten tausende von Jahre. Was passiert mit unseren Grossstädten, mit unserer landwirtschaftlichen Kultur? Wie stark ist der gentechnische Eingriff des Menschen in die Natur, kann er von ihr wieder rückgängig gemacht werden? Wie gross ist der Schaden, den wir in der Euphorie unserer wissenschaftlichen und manchmal engstirnigen Handlungsweisen produziert und praktiziert haben? Es sind viele Fragen, auf die der Autor versucht erklärbare Antworten zu finden und siehe da, auch findet. An Hand von entsprechenden Versuchen und praktischen Beispielen, wird dem Leser verdeutlicht, wie unvernünftig wir mit dem Gut Natur umgehen, wie rigoros und unbarmherzig sie allerdings langsam aber sicher den alten Zustand wieder herstellen wird. Die lange Reise seiner Ausführungen fängt schon in der „Reifezeit“ des Homo Sapiens an, führt uns über die Gegenwart unserer Unvernunft, bis in eine Zeitepoche des ewigen Vergessens, des Neuanfangs. Weisman zeigte mit einfachen Mitteln und Beispielen, wie vollkommen die Erde eigentlich wirklich ist, wie unvernünftig wir Menschen mit ihr umgehen. Am Ende gibt es keinen Grund diesen kurzzeitigen „Gästen“ nach zu trauern. Vielleicht sollte ich auch noch erwähnen, dass ich weder ein „Grüner“ im Sinne von Öko bin, noch die Absicht hege einer solchen „undurchschaubaren“ Richtung bei zu treten. Allerdings hat mich dieses Buch, welches in meinen Augen zu Recht zur Nr. 1 der Sachbuchbestseller des Jahres gezählt wird, sehr zum Nachdenken angeregt. Die Frage die sich mir stellt und die mir auch gestellt wurde, was ich dagegen, oder besser dafür tun kann, kann ich ehrlich nicht so beantworten. Es ist einfach ein zu komplexes Thema. Nicht nur der Umweltschutz alleine, sondern ich denke auch das Umdenken des Menschen an sich sollte ein Tagesordnungspunkt werden. So lange allerdings wirklich nur wirtschaftliche und politische Interessen im Mittelpunkt vieler Industrienationen stehen, so lange werden wir auch keine Chance mehr haben. Dieses Buch vermittel am Ende nicht nur einen Einblick in bis dahin vielleicht unbekannte Gründe des menschlichen Alltages. Es zeigt manchmal auf schockierende Art und Weise auch, wie krank unsere Welt wirklich schon ist, was zu dieser Krankheit wirklich führte. Der Mensch. Ich kann euch dieses Buch wirklich nur wärmstens empfehlen. Nicht um irgend eine Panik zu verbreiten, sondern vielleicht den vielen „Neulesern“ auch zum entsprechenden Nachdenken zu verhelfen. Bedenkt dabei immer eins. Die Grundvoraussetzung in diesem Buch ist die, dass der Mensch schon nicht mehr existent ist. Es wird sicherlich irgend wann einmal auch so weit kommen. Nur muss es nicht gerade an uns selber liegen. In diesem Sinne, lasst uns lange Leben, damit wir aussterben. Euch allen noch einen guten, erfolgreichen und angenehmen Start in die neue Woche. r.g.belle